Schule am Schillerpark auf Expedition in der Natur

Etwas Neues wagen, sich etwas zumuten, bei Problemen nicht aufgeben, Verantwortung übernehmen, sich in andere einfühlen und helfen – all das und vieles mehr muss ein Jugendlicher leisten, um die Abschluss-Expedition des internationalen Jugendprogramms „The Duke of Edinburgh´s International Award Germany“ auf der Bronze-Stufe zu absolvieren.

Unter dem Programmmotto „Du kannst mehr als du glaubst!“ von Kurt Hahn sind 5 Jungen und 3 Mädchen der Schule am Schillerpark im September und Oktober selbstständig durch die Uckermark geradelt. Adam, Hassan, Justin und Kamal (Gruppe 1) und Jeromé, Marie, Tuba und Tugba (Gruppe 2) können zu Recht stolz auf sich sein, denn sie haben ihre Abschlussexpedition bravourös gemeistert. Einfach war es nicht: Auf ihrer 2-tägigen Fahrrad-Tour mussten sie 80-100 Kilometer durch erstaunlich (und unerwartet) hügeliges Gelände zurücklegen, ihren Weg abseits von befahrenen Straßen mithilfe einer Karte finden (!) und ihr Gepäck auf Rücken und Rad mitschleppen: 2 Zelte, Schlafsäcke, Isomatten, Gaskocher und natürlich Verpflegung. Übernachtet wurde an einer einsamen Badestelle am unteren Uckersee. Sie mussten strömendem Regen trotzen, einem Sattel, der bereits nach wenigen Stunden abfiel und für dessen Reparatur sie kein Werkzeug hatten, dazu leicht aggressiven Belagerern ihres eigentlichen Nachtplatzes und nächtlichen Schüssen (die sich nach einem mitternächtlichen Polizeieinsatz als Feuerwerk eines Hotels entpuppten). Aber auch innerhalb der Gruppen gab es viele Herausforderungen. Unterschiedliche Konditionen, Temperamente, Bedürfnisse und Befindlichkeiten. Ohne Rücksicht aufeinander zu nehmen, ohne einander zuzuhören, ohne die Übernahme von Verantwortung in brenzligen Situation, ohne gegenseitiges Vertrauen und Hilfsbereitschaft ist so eine Expedition, so kurz sie auch ist, nicht zu schaffen.

Ein bisschen Vorerfahrung hatten die 8 bereits gesammelt. Ihre „Grundausbildung“ haben sie bei einem Projekt „Herausforderung“ gemeinsam in Baad (Österreich) durch 2 erfahrene Outward-Bound Trainer erhalten und dort auch eine Probeexpedition absolviert. 3 Tage ging es Mitte Mai hoch hinauf in die Berge des Kleinwalsertals. Die Tour wurde (unter Anleitung) von den SchülerInnen selber geplant. Für die Orientierung waren Ibo und Kamal zuständig, für die Ausrüstung Marie und Hassan. Die Sicherheit lag in den Händen von Tugba und Antonja, während die Verpflegung von Justin und Jeromé organisiert wurde. Als Köchin wurde Tuba auserkoren. Bevor es losging wurden die SchülerInnen eingewiesen in den Umgang mit einer Karte, das Verhalten in der zum Teil geschützten Natur in den Bergen, in Erste-Hilfe-Maßnahmen, den Bau von Biwaks und natürlich das Packen eines Rucksacks. Sowohl bei der Planung als auch bei der Umsetzung haben sich Markus und Caro, die beiden Trainer, aber auch wir, Wolfgang Engst und ich als begleitende Lehrkraft/Fellow, immer so weit wie möglich rausgehalten. Auf diese Weise bekamen die SchülerInnen die Auswirkungen ihres eigenen Handelns auf die ganze Gruppe unmittelbar zu spüren. „Ach, Frau Masing, Karte brauchen wir nicht, wir gehen einfach!“? An jeder Wegkreuzung hat sich das gerächt! Und war angesichts der erschöpften Gruppe unangenehm und ziemlich peinlich, nachdem die Klappe anfangs ganz schön weit aufgerissen worden war. Zu wenig Essen eingepackt? Für alle morgens nur 2 Scheiben trockenes Graubrot und erst abends wieder eine heiße Suppe (die aber dafür geschmeckt hat, als hätten wir nie etwas Besseres gegessen). Zu wenig Planen eingepackt? Keine Biwaks möglich, sondern bei 2 Grad dicht einander gedrängt unter freiem Sternenhimmel schlafen (was sehr schön war!). Streichhölzer vergessen? 2 Stunden Fußmarsch extra zurück in eine Hütte… Die Gruppe ist in diesen wenigen Tagen über sich hinausgewachsen, das nach anfänglichem Rumpeln tolle Miteinander und Füreinander der Teilnehmer war sehr schöner Lohn für alle.

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Bei den Abschluss-Expeditionen in der Uckermark war es vor allem ungewohnt für die SchülerInnen, ohne Aufsicht unterwegs zu sein. Zwar war ich die verantwortliche Aufsichtsperson, aber mit mir hatten die Gruppen lediglich 3 Checkpunkte pro Tag eingeplant, etwa alle 15-20 km. Dort konnten wir die Tourenplanung immer wieder ein bisschen anpassen, ich konnte die SchülerInnen auf Gefahren hinweisen, z.B. stark befahrene Straßen, die ihre Feldwege plötzlich kreuzten und Ähnliches. Oder sie ermuntern, in ein Dorf zu fahren und um Werkzeug für den Sattel zu bitten. Ansonsten mussten sie sich alleine durchschlagen. Es war wunderbar zu sehen, wie insbesondere in der ersten Gruppe die einzelnen Jungen Verantwortung füreinander übernommen haben. Auch bei einer 2-stündigen Verirrung auf einem Wanderweg in unwegsamen Gelände gleich zu Beginn der Tour sind sie trotz unterschiedlicher Meinungen beieinandergeblieben und haben auf sich als Gruppe aufgepasst. Als sie dort heraus- und endlich am ersten Checkpunkt ankamen, waren sie bereits bis auf die Haut durchnässt von der großen Anstrengung, sowohl physisch als auch mental.

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Das Ganze noch einmal? Ja, unbedingt, am liebsten möchte die erste Gruppe beim nächsten Mal ans Meer radeln. Oder nach Polen. Irgendeine richtig große Herausforderung. Die andere Gruppe? Auf gar keinen Fall! Aber schon wenige Stunden später, kurz vor Berlin, gewann auch in dieser Gruppe der Stolz über die ausgestandenen Qualen (und Ängste, vor allem nachts alleine im Zelt mit so vielen unbekannten Geräuschen): „Ja, ich würde da schon wieder mitmachen“, „es ist schön, etwas zu schaffen, das so schwer ist!“ und „wir wissen jetzt, dass wir auch ohne Erwachsene durchkommen“!

Für mich als Aufsichtsperson waren die beiden Wochenenden ebenfalls anstrengend, vor allem wegen der gefühlten Verantwortung für die Jugendlichen. Trotzdem finde ich, dass jedes (Großstadt)Kind ein besonderes Recht darauf hat, solche Erfahrungen von Natur, Freiheit, Abenteuer und Selbstwirksamkeit zu machen. Möglicherweise schlagen sich diese nicht in besseren Schulnoten nieder, aber ich glaube, dass das Erlebte junge Menschen prägt und sie dabei unterstützt, sich zu selbstbewussten, hilfsbereiten, mutigen Menschen zu entwickeln. Es freut mich auch, festzustellen, dass dieses Programm nicht nur an privaten Internationalen Schulen und Internaten umgesetzt werden kann, sondern wir es mit vereinten Kräften und überschaubarem finanziellen Aufwand auch an unserer Schule schaffen können.

Auf jeden Fall haben diese 8 Jugendliche nun als erste SchülerInnen einer Integrierten Sekundarschule in Berlin überhaupt den Programmteil Expedition des Duke of Edinburgh´s International Award“ mit Bravour gemeistert. Herzlichen Glückwunsch! Wir hoffen, dass ihr auch Eure weiteren Programmteile Dienst, Talent und Fitness so konsequent durchzieht und im Sommer gemeinsam mit 5 weiteren ProgrammteilnehmerInnen voller Stolz eure „The Duke of Edinburgh´s International Award“-Auszeichnungen entgegennehmen könnt.

Wir danken Vanessa Masing für diesen Gastbeitrag und schließen uns den Glückwünschen an die erfolgreichen Schülerinnen und Schüler an!

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